Alle Lerntypen erreichen?
So sprechen Sie Schüler auf möglichst vielen Kanälen an
Seit Jahrzehnten beschäftigen sich Pädagogen mit der Frage, warum einige Schüler erfolgreicher lernen als andere. Sind es die Gene? Entscheidet das Aufwachsen der Kinder in einer intakten Familie darüber, ob sie gut in der Schule sind? Liegt es an den arbeitenden Müttern, wenn Schüler sich schlecht entwickeln?

All diese Thesen wurden als bestimmende Faktoren für den Schulerfolg widerlegt. Inzwischen weiß man, dass es unterschiedliche Lerntypen gibt. Wer den Lerntyp seiner Schüler kennt, kann ihn im Unterricht berücksichtigen. Schüler können Informationen so schneller und nachhaltiger aufnehmen. Außerdem sparen sie Zeit für das reine Lernen, Büffeln und erhöhen die Chance, sich bei der nächsten Klassenarbeit an das Gelernte zu erinnern.
Auditiver Lerntyp
Dieser Lerntyp lernt vorwiegend über das Hören und Sprechen. Beim Lesen beweget er gern die Lippen oder sagt den Lernstoff laut vor sich. Auditiv lernende Kinder können schon nach kurzer Zeit Hörspielkassetten auswendig wiedergeben. Auch Gedichte und Melodien prägen sie sich besonders schnell ein. Schüler dieses Lerntyps verfügen über eine gute Auffassungsgabe. Sie hören aufmerksam zu, erzählen hervorragend nach und können gut kombinieren.

Hörtypen sind also perfekt gerüstet fürs Schulleben und den üblichen Frontalunterricht.
• Diese Schüler können Sie weiter fördern, indem Sie Gruppenarbeiten durchführen
lassen, also dazu motivieren, Lösungswege gemeinsam zu besprechen.
• Außerdem können Sie Hörtypen dazu ermutigen, anderen Schülern Gelerntes zu
erklären.
Visueller Lerntyp
Die meisten Informationen in der Schule werden über den visuellen Kanal angeboten (Tafel, Bücher, Lerntypen etc.). Rechtschreibung und Mathematik fallen dem Sehtypen vermutlich leicht, weil sein „inneres Auge“ Gelerntes abrufen kann. Um auch in den sportlichen, sprachlichen und musikalischen Bereichen besser zu werden, sollten diese Schüler ihre Hör- und Bewegungsfähigkeiten trainieren.

Außerdem helfen folgende Tricks:
• Textmarker, bunte Stifte sowie schöne Hefte unterstützen die kreativen Fähigkeiten.
• Ideal für diese Kinder ist Mindmapping. Tipps zu dieser Merktechnik finden Sie bald
auch in der WissensSchule.
• Erarbeiten Sie komplizierte Stoffe möglichst mit visuellen Elementen, Zeichnungen,
Comics, Grafiken etc.
Motorischer Lerntyp
Der motorische Lerntyp ist ein Anpacker – keiner, der zögert oder lange nachdenkt. Er lässt sich von seinen Gefühlen leiten und setzt Impulse am liebsten sofort in Aktion um. Diese Schüler sind praktisch veranlagt, bewegen sich gern und begreifen auch das Lernen als einen aktiven Vorgang. Im Chemieunterricht stehen sie etwa bei Versuchen in der ersten Reihe und legen am liebsten selbst Hand an. Man erkennt Bewegungstypen auch daran, dass sie beim Erzählen mit den Händen sprechen, oft lange die Finger beim Rechnen benutzen und gern Kaugummi kauen. In ihren Kinderzimmern stehen häufig Modellflugzeuge, Chemiebaukästen und andere Zeugnisse starker Experimentierfreude.
Da motorische Typen naturgemäß eher Schwierigkeiten mit dem Frontalunterricht und stillem Unterricht haben, können Sie diese Schüler durch spezielle Tricks motivieren:
• Ermuntern Sie (besonderes jüngere) Schüler zu Bewegungspausen zwischen stillen
Übungen.
• Da sogar ältere Bewegungstypen-Kinder oft noch eine unleserliche Handschrift haben,
lassen Sie die Schüler gern auch am Computer arbeiten.

• In nahezu allen Fächern und zu allen Themen finden sich Möglichkeiten der
praktischen Veranschaulichung. Mit ein wenig Kreativität können Sie hier vor allem die
Bewegungstypen unterstützen: Lassen Sie die Schüler zum Beispiel geometrische
Figuren basteln und erklären Sie Maßeinheiten beispielsweise an tatsächlich
präsenten Verpackungen. Selbst bei Grammatikeinheiten verschaffen kurze
Bewegungsspiele auch älteren Schülern einen zusätzlichen Konzentrationskick. So
lassen sich z.B. zehn Minuten im Unterricht einbauen, in denen Schüler sich hinstellen
statt aufzuzeigen, wenn sie etwas wissen.
Mischtypen sind die Realität
Soweit die Theorie – denn in der Praxis treten die Lerntypen selten in Reinform auf. Dennoch gilt die Regel: Lernen klappt am besten mit allen Sinnen - hören, sehen, fühlen, schmecken und riechen. Daher sollte Unterricht möglichst viele Kanäle berücksichtigen. So erreichen Sie einerseits möglichst viele Lerntypen. Und zudem macht das Lernen mehr Spaß, wenn möglichst viele Sinne angesprochen werden. Denn das so genannte mehrkanalige Lernen erleichtert nicht nur das Verstehen neuer Inhalte. Es ist zudem die effektivste Strategie, um Einmaleins-Reihen, Rechtschreibung, Vokabeln, Geschichtszahlen, Regeln etc. langfristig im Gedächtnis zu behalten.
Wenn Sie die typgerechten Tipps berücksichtigen, schaffen Sie bereits wichtige Lernbedingungen und sorgen für gute Motivation in Ihrer Klasse. Doch manchmal ist auch das nicht genug. Immerhin jedes zehnte Kind leidet heutzutage unter Lernschwächen. Fünf Prozent unter der Legasthenie, der Lese-Rechtschreibschwäche, und nochmals vier bis sechs Prozent unter Dyskalkulie, der Rechenschwäche.
Auch heute noch werden diese Schwächen in der Schule manchmal erst spät oder gar nicht erkannt. Anders als beim Lesen und Schreiben nehmen sogar einige Pädagogen die Probleme einer Dyskalkulie nicht immer ernst. Das ist fatal. Denn Lehrer und Eltern können den betroffenen Kindern erfolgreich helfen, ihre Schwächen auszugleichen. Sollten Sie also Zweifel an der Lese- oder Rechenfähigkeit eines Schülers haben, sprechen Sie die Eltern an und schlagen Sie einen Test vor. Denn nur wenn Sie genau wissen, welche Schwächen eventuell ausgeglichen werden müssen, können Sie Ihre Schüler optimal unterstützen und fördern!




